Hagen. Im Februar bin ich bei „Moose around the world“ über die Liste mit den Vorhaben für ein Jahr gestolpert. Eine tolle Idee, die von mir direkt mal hier adaptiert wurde. Aber wie schon John Lennon feststellte ist Leben das, was passiert, während man andere Pläne macht. Besonders bei einem so turbulenten Jahr, wie wir es 2016 erlebt haben. Uff und Wow! Während ich aber schon die Tage bis zum Jahresende (oder zumindest zum Jahresendurlaub) zähle, kann man ja schon mal ein Vorab-Resumée ziehen.


Januar

Irgendwie hat sich bei uns ein Lebenswandel schon ab November 2015 abgezeichnet. Ich habe nach 25 Jahren mit dem Rauchen aufgehört, wir haben angefangen abzunehmen und waren mehr unterwegs. Was auch dann in der Konsequenz auch zu diesem Blog geführt hat. Im Januar haben wir natürlich weiter gemacht. Sind im Nebel über den Traumpfad Bergheidenweg gewandert und gerutscht. In den Mittagspausen war ich mit dem Bürohund in der Grafschaft unterwegs. Mit meinem Ältesten Maxx und seiner Verlobten Jenny sind wir über den Vulkanpfad gekraxelt. Den schönen Nette-Schieferpfad haben wir ebenfalls unsicher gemacht. Ja, wir waren weiter auf Schusters Rappen unterwegs.

Ein besonderes Highlight war die höfische Tafeley auf der Ehrenburg, die mir meine Frau zum 40. Geburtstag geschenkt hatte. Ein tolles Wochenende mit gutem Essen und netten Tischnachbarn: einem Pärchen, das auf vielen Festivals unterwegs ist, und einem älteren Ehepaar, von denen er begeisterter Ballonfahrer ist. Nach so einem Mittelaltermahl muss man sagen: Ein Hoch auf die alten Rittersleut‘!

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Februar

Eine Woche frei über Karneval muss man nutzen. Also rein in den Flieger und ab nach Andalusien. Wir sind wie Django durch die staubigen Straßen von Fort Bravo gestiefelt. Sind staunend durch die Höhlenhäuser von Gouadix gelaufen. Haben sprachlos vor der Schönheit der Alhambra in Granada gestanden. Im Naturschutzgebiet Cabo de Gata haben wir zwischen einsamen Stränden und Vulkangestein fast unseren Weg verloren. Auf den Höhenstraßen über die Sierra Nevada haben wir tolle Aussichten genossen. Ach, und noch Einiges mehr. Ein Kurzabriss unseres Trips nach Andalusien findest Du hier.

Aber! Ein verdammt großes „Aber“ hängt über diesem Urlaub. Denn Urlaub ist auch die Zeit, in der das, was sonst unter dem alltäglichen Trott und der geschäftigen Routine verborgen ist, zum Vorschein kommt. Schon am ersten Tag hob die Depression von Verena – auch Angesichts des Plastikmeeres – mit ihren Panikattacken ihr Haupt und irgendwie war alles anders. Am dritten Tag folgte mein Zusammenbruch mitten in Almería. Da war er: mein zweiter Burnout. Mein alter Freund Sturmkrähe war zurück gekehrt.

Der Urlaub war ergo weniger Erholung als ein ständiger Kampf gegen die inneren Dämonen. Dort in Andalusien waren wir aber von unserem Alltag so weit weg, dass wir eine klarere Sicht auf die Dinge bekommen konnten. Unsere Grenzen erkennen, definieren und die daraus die ersten erforderlichen Erkenntnisse ziehen. Dazu zählte auch, dass bei mir der Point of no return erreicht war. Ich bin nach dem Urlaub nicht mehr zu meinem Arbeitsplatz zurück gekehrt.

In dieser ersten Chaosphase nach unserem Andalusientrip bin ich dann noch mit meinen Eltern, meiner Schwester, ihrem Mann und meinen zwei Neffen über ein Wochenende nach Trier. Darüber hinaus ging es immer wieder in die Natur, um Kraft zu schöpfen. Meine Gedanken während der Depression habe ich begonnen hier im Blog niederzuschreiben, da auch sie zum Weg durch das Abenteuer Leben zählen – zu finden sind sie hier.

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März

Wir waren viel unterwegs. Keine weiten Ausflüge oder Reisen – aber wir waren aktiv. Lange Spaziergänge. Allein, zu Zweit, mit meinen Söhnen Maximilian und Tristan. So waren wir auch viel in der Eifel on Tour, wie auf dem Bausenberg und rund um den Laacher See. Auch unser Vorhaben „Simplifiy your life“ – sich nicht mit unnötigem Zeug zu belasten – ist mit einer radikalen Aufräumaktion im Lager (das wir mit meinen Eltern und mit meiner Schwester haben) ein gutes Stück weiter gekommen. Auch der gemütliche Ausflug auf die Ehrenburg zählte zum Projekt „Einfach mal runter und zur Ruhe kommen“.

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April

Nicht im Alltag und in grauen Gedanken versinken. Raus und in Bewegung bleiben. Das ist in depressiver Stimmung manchmal gar nicht so einfach. Aber Anfang April sind wir auf Verenas Initiative hin über ein Wochenende an die See gefahren. Freitags morgens ein Zimmer in Zandvoort organisiert und kurz nach Mittag ging es los. Endlich wieder am Meer. Am Samstag dann rein nach Amsterdam. Eine großartige Stadt mit seinen Kirchen und dem Rijksmuseum, in die wir sicher noch mal zurück kehren werden. Ein in vielfacher Hinsicht inspirierender Trip.

Aber auch sonst bleiben wir in Bewegung. Rund um das Rodder Maar, mit meinem Ältesten um den Laacher See, gemeinsam bei tollem Wetter um den Flugplatz Mönchsheide und auf dem großartigen und unbedingt empfehlenswerten Eifler Traumpfad „Eltzer Burgpanorama“ zur Burg Eltz. Wir waren unterwegs bei Maria Laach, haben von der früheren Keltensiedlung bei Bad Breisig den Ausblick auf den Rhein genossen und ich habe mein neues Macro-Objektiv in freier Wildbahn getestet.

Mit meinen Söhnen und ihren Freundinnen sowie unseren zwei Neffen haben wir zudem einen tollen Tag im Kölner Zoo verbracht. Wir haben wirklich viel gesehen und das Wetter hat sich im Lauf des Vormittags doch noch gnädig gezeigt. Abends war ich aber groggy. Vor allem meine zwei kleinen Neffen haben mich geschafft.

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Mai

Andalusien war ja jetzt nicht soooo erholsam. Aber richtig abschalten kann man nur schwer daheim, wo es immer irgendwas zu tun gibt und irgendwer direkt oder indirekt Ansprüche stellt. Also ging es Anfang Mai noch mal in den sonnigen Süden. Mallorca! In das bekannte, gute Hotel mit tollem Buffet. Im Gepäck viele Ideen und Pläne für Ausflüge, Besichtigungen und Wanderungen. Aber Alles ein Kann, kein Muss.

Es war eine aktive, aber erholsame Woche. Wir haben den Ausblick vom Puig de Sant Salvador genossen, das Gelände von Son Real erkundet und haben mit unseren Füßen im Meer gestanden, die römischen Ruinen von Alcúdia besichtigt, sind zum Torre d’Aubarca gewandert, haben viele Fotos in schönen Kirchenbauten gemacht, fast alle archäologische Ausgrabungsstätte der Talayotkultur erforscht, wir haben den alten Gutshof Els Calderes besichtigt und eine Tour durch das nebelverhangene Gebirge nach Sóller gemacht – um nur ein paar Sachen zu nennen. Ergo eine Menge Zeug für noch geplante Blogbeiträge.

Wie von Anfang an geplant habe ich es dann im Mai auch noch mit meiner Kamera zum US-Car-Treffen in Mendig geschafft, wovon ich auch etliche Fotos mitgebracht habe (Kuckst Du hier?). Während Ende des Monats Verena auf der Larp-Veranstaltung „Zeit der Legenden“ war, habe ich das erste Mal die Roleplayconvention in der Köln Messe besucht. Am letzten Tag des Monats (zu Verenas Geburtstag) ging es dann noch auf die Marksburg. Ein toller Monat – und im Rückblick würde ich sagen, dass es bei uns seelisch aufwärts ging.

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Juni

Besonders im Vergleich mit dem vorherigen Monat war der Juni echt ruhig. Das lag sicher auch daran, dass Verena für einige Wochen in die Klinik gegangen ist. Gemeinsam waren wir nur auf einer Larp-Veranstaltungen (Fotos hier) und an einem Wochenende im Neuenahrer Wald.. Mit meinem Jüngsten ware ich noch auf der Larp-Convention „Chaos 8„, wo wir eine tolle Zeit mit netten Leuten hatten. Klar, dass auch Zeit für ein paar Spaziergänge war.

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Juli

BÄMM! Als hätte unsere Depression als Gesundheitsthema für das Jahr nicht ausgereicht, hat mein Vater wieder mal „Hier!“ geschrieen, als Jemand einen Herzinfarkt zu vergeben hatte. Er hat ihn überlebt, aber von heute auf morgen hatte ich plötzlich wieder einen Job. Denn Irgendwer musste ja das Architekturbüro mit seinen laufenden Projekten und Baustellen übernehmen. So von 0 auf 100 aus dem Burnout ein Kraftakt, der immer noch anhält.

Gerade in den ersten Wochen war ich plötzlich fast nur noch im Büro anzutreffen oder auf den Baustellen unterwegs. Spaziergänge, wie der in den Weinbergen um Walporzheim, wurden selten. Sicher auch, weil jede freie Minute zur Vorbereitung auf die Larp-Großveranstaltung „Drachenfest“ genutzt wurde. Neue Klamotten wurden genäht, bevor es Ende Juli dann zu der Convention mit über 4.000 Teilnehmern aus über 30 Nationen ging. Wir hatten dort eine tolle Zeit mit vielen bekannten und neuen Gesichtern.

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August

Nach dem alljährlichen Beerenfest bei meiner Mutter ging es Anfang August nach Edinburgh. Unsere Reise nach Schottland war aber anders, als noch Anfang Februar gedacht, denn den Roadtrip durch die Highlands hatten wir wegen unserer Depression erst mal verschoben und auf Grund des Herzinfarkts meines Vaters waren auch meine Eltern nicht mit dabei. Trotzdem haben wir ein paar schöne Tage in unserer Lieblingsstadt verlebt.

Wir waren auf dem Calton Hill und sind die Royal Mile hoch spaziert. Am nächsten Tag war ich im Hafen von Leith unterwegs, bevor wir gemeinsam in die Stadt sind und dort das Fringe Festival miterlebt haben. Die National Gallery hat uns begeistert, bevor wir Abends vor dem Castle die Eröffnungsveranstaltung des Royal Edinburgh Military Tattoo miterleben durften. Samstags ging es dann noch hoch auf die Salisbury Crags, bevor wir Sonntags zurück geflogen sind.

Einige (zu) wenige Spaziergänge und ein Familienfrühstück rundeten den Monat ab.

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September

Eine Operation am Bein hat gerade noch gefehlt. Weil das so war habe ich genau die Ende August auch noch gehabt. Wenig überraschend hat das meinen Bewegungsradius für die nächsten Wochen eingeschränkt, weshalb ich die meiste Zeit auf dem Sofa verbringen musste. Aber den Besuch des Barbarossamarktes in Sinzig haben wir uns trotzdem nicht entgehen lassen, was die Menge an Fotos (die man hier sehen kann) beweisen. Ebenso waren wir auf dem Larp unserer Spielergruppe Dorlónien, von dem es einige Fotos hier zu sehen gibt.

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Oktober

So langsam versuche ich wieder in Bewegung zu kommen, auch wenn ich im Oktober natürlich noch langsam machen musste. Aber es wird wieder (von einer schweren Erkältung Ende des Monats abgesehen). Spaziergänge, Grillen mit Freunden, Kürbisschnitzen mit den Neffen, ein Fotoshooting mit dem Maid & Host Café Strawberry Sundae im japanischen Garten in Bonn – und ein spontaner Wochenendtrip nach Mainz in ein tolles Hotel und inklusive von Treffen mit Freunden. Läuft. Langsam, aber sicher.

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Ein persönliches Fazit

Wenn man die Erfüllung aller Pläne als Maßstab nimmt, dann ist meine erste ReiseAbenteuer-Planung gründlich schief gegangen. Aber wie ich schon in der Einleitung schrieb: „Leben ist das, was passiert, wenn man andere Pläne macht.“ (John Lennon) Ob ich nochmal eine solche Planungsliste mache, wage ich gerade zu bezweifeln. Denn ich glaube es macht wenig Sinn Alles durchplanen zu wollen. Die größeren Reisen sind nur mit Vorplanung möglich – aber darüber hinaus entscheiden wir gerade lieber spontan und aus dem Bauch heraus, was uns in dem Moment gut tut. Gerade weil wir merken, dass die Depression sich wieder öfter im Unterbewusstsein meldet, ein wichtiger Umstand. Es wird ergo wohl eher auf eine Art Jahre-Bucketlist herauslaufen.

Wir leben aber auf jeden Fall in interessanten Zeiten. So gerne ich das Abenteuer auch liebe, würde ich mir wünschen, dass die nächsten Monate und das ganze Jahr 2017 etwas weniger interessant werden – zumindest in gesundheitlicher Hinsicht. Drückt uns die Daumen. 😉

2 thoughts on “ReiseAbenteuer 2016 | Eine Bestandsaufnahme”

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