Hagen. Also wir uns Ende 2015 für einen Urlaub in Andalusien für Februar 2016 entschieden, war das eine sehr spontane Entscheidung. Eigentlich wollten wir nach Rom, doch dem richtigen Einwand der Mitarbeiterin des Reisebüros folgend, dass eine Millionenstadt vielleicht nicht die beste Idee ist, wenn man Ruhe sucht, haben wir uns für Andalusien entschieden. Bei der Buchung war uns noch nicht klar, dass wir Beide uns schon auf dem Weg in Depressionen befanden. Was wir am ersten Tag in Andalusien sehen mussten, hat es nicht besser gemacht: Das Mar del plástico.

Übersetzt „Meer aus Plastik“ haben wir die ersten Flächen schon kurze Zeit, nachdem wir unseren Ankunftsflughafen Malaga Richtung Osten verließen. Erst nur vereinzelt, dann aber immer häufiger, zeigten sich links und rechts von der Autobahn Flächen aus Plastik. Irgendwann war es so schlimm, dass die jede auch nur halbwegs horizontale Fläche zwischen Gebirge und Meer, die nicht bebaut war, aus Plastik bestand. Für uns ein richtiger Schock!

Natürlich wussten wir, dass viel Gemüse, das wir bei uns im Supermarkt kaufen, aus Spanien stammt. Aber in welcher Form das dort in Andalusien die Landschaft prägt, war uns nicht bewusst. Wir waren auch schon in genug Ländern gewesen um zu wissen, dass der deutsche Sinn für Ordnung kein Maßstab und oft übertrieben ist. Doch was wir dort sehen mussten bedeutete für uns das wahre Grauen. Anders kann man es nicht sagen. Es war so schlimm, dass wir uns am ersten Abend gefragt haben, ob wir nicht lieber am nächsten Tag nach Malaga zurück fahren und die nächste Maschine nach Deutschland nehmen sollten.

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Natürlich war es auch unser Fehler, dass wir uns nicht vorher informiert hatten, was uns vor Ort erwartet – wenngleich das wiederum spontane Urlaubszielentscheidungen für die Zukunft unmöglich macht. Aber wir hatten zielsicher genau die Region Andalusiens ausgesucht, welche die größte Fläche am Mar del plástico aufweist: Die Provinz Almeria. Dass dieser Anblick dann noch mit unserem angeschlagenen Gemütszustand zusammen fiel war persönliches Pech.

Jeden Morgen mussten wir vom Hotel zur Autobahn und jeden Abend auf dem Weg zurück jeweils gut eine halbe Stunde durch das Plastikmeer fahren. Schön ist anders. Denn wie uns eine Reisebegegnung auf dem Hinflug schon erklärte (ohne dass wir es in seinem ganzen Ausmaß begriffen) wird nur die billigste Plane benutzt und wenn diese durch den Wind fortgerissen wird, dann lässt man die Reste fliegen und repariert einfach das Loch. Entsprechend sah es auch entlang der Straßen aus.

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Abgesehen von unserem gestörten ästhetischen Empfinden sind wir aber auch skeptisch, was die ökologischen und sozialen Auswirkungen angeht. Mag die einstmals rückständige Region auch erstmal davon profitiert haben, dass sie viel Gemüse für den Export produzieren kann, bin ich skeptisch, ob wirklich viele Spanier davon profitieren. Zumal die meisten Arbeiter aus Nordafrika zu kommen scheinen und wahrscheinlich zu schwierigen Bedingungen arbeiten.

Daheim haben wir daher Anfangs versucht auf Gemüse aus Spanien zu verzichten und mehr auf heimische Produkte auszuweichen. Ein Unterfangen, was jedoch bisher nicht von besonderem Erfolg gekrönt war. Zum Einen weil es schwer ist sich so ungewohnt dem Diktat der Jahreszeiten und damit dem nicht jährlich durchgängigen Angebot an allen Gemüsesorten zu unterwerfen. Zum Anderen aber auch, weil es vom zeitlichen und finanziellen Aufwand sehr schwierig ist Gemüse zu finden, was nicht aus Spanien kommt. Zumindest in unserem Supermarkt. Da haben wir erst gemerkt, wie wenig Gemüse wirklich noch vom heimischen Markt kommt.

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Wer in Andalusien Urlaub machen möchte, der sollte zumindest wissen, dass es neben dem schönen Meer an noch schöneren Buchten auch das Plastikmeer gibt. Entweder man stellt sich darauf ein oder sucht sich andalusische Regionen, in denen es nicht so ins Gewicht fällt. Wir werden unseren nächsten Urlaub entweder weiter westlich machen oder (noch wahrscheinlicher) inmitten des Gebirges der Sierra Nevada. Wegen der großartigen Landschaft, aber auch, weil die Flächen dort für die Plastikhallen meist zu vertikal sind.


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