Auf unserem Gang durch die pulsierende Innenstadt, vorbei an roterleuchteten Fenstern und Geschäften mit Souvenirs, Käse und Klamotten, trugen uns die Füße zuerst in die sogenannte Nieuwe Kerk, die gar nicht so neu ist, wie man aufgrund des Namens meinen möchte. Die spätgotische Basilika aus dem 15. Jahrhundert ist seit 1814 Krönungskirche der niederländischen Könige und liegt direkt neben dem Paleis op de Dam (Koninklijk Paleis) an einem gutbesuchten Platz, auf dem Straßenkünstler und Aktivisten um Aufmerksamkeit buhlen. Verläßt man diesen städtischen Trubel und taucht in den kühlen Innenraum der Kirche ein, findet man neben dem Grabmal des holländischen Seehelden Michiel de Ruyter zwei wunderschöne Orgeln und einige bemerkenswerte Glasfenster, in denen sich Tradition und Moderne der Glaserkunst treffen.

Die Kirche wird regelmäßig für Wechselausstellungen benutzt und wir hatten das Glück, ein Originalwerk von Marc Chagall bewundern zu dürfen: Calvary, das normalerweise im New Yorker Museum of Modern Art hängt. Ein wunderschönes Werk, dessen Farben so kräftig leuchten, dass ihm keine Fotos gerecht werden können. Auf einer kleinen Bank in einem aus weißen Vorhängen gebildeten Raum sitzend, nahmen wir uns viel Zeit, das Gemälde und seine starke Aussage auf uns wirken zu lassen.

Danach ging es nahtlos weiter in die Oude Kirk. Und die ist tatsächlich so alt, wie sie heißt – sie ist das älteste Bauwerk der Stadt, über 800 Jahre alt. Und liegt mitten im Rotlichtviertel. Drinnen im Gebäude geht man über einen Boden aus Grabplatten. Dort, unter den Füßen der Besucher, liegen Rembrandts Ehefrau und noch viele andere Amsterdamer des Mittelalters und der frühen Neuzeit, über 10.000, wie man sagt. Hoch über dem Kopf des Besucher wölbt sich eine Decke, die erst auf dem zweiten Blick ihren Zauber enthüllt. Dies ist ein schlichter Ort, einer, der schon viel gesehen hat. Kein überbordener Marmor, keine blumigen Ornamente, sondern bescheidenes Holz, das einstmals komplett bemalt war, bevor der Bildersturm kam und viele Malereien unwiderruflich verloren gingen.

Wenn Ihr also mal in Amsterdam seid und genug von Menschenmassen habt, geht ruhig diese beiden Kirchen besuchen. Sie bieten neben Ruhe und Kontemplation auch viele wunderbare Kunstschätze.

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