Hagen. Oft schweift man in die Ferne, obwohl das Gute und Interessante so nahe liegt. Wie Trier zum Beispiel. Diese Stadt mit lang zurück reichender und reicher Geschichte liegt keine zwei Autofahrstunden von meinem Wohnort entfernt, aber es war sicher fünfundzwanzig Jahre her, dass ich das letzte Mal dort war. Bis mich im Februar ein Familienausflug wieder dorthin führte. Für ein Wochenende, also hatte ich unterm Strich einen Freitagabend und den Samstag für diese Stadt. Auf keinen Fall genug, um Alles ausreichend zu würdigen. Aber zwei Tage mit vielen Erlebnissen und Entdeckungen, die ich vor Ort in zwei AdventureSketchNotes zeichnerisch verarbeitet habe, die Du hier findest. Ich habe tolle Sachen gesehen. Diese hier:

Man sollte meinen, dass man das Wahrzeichen der Stadt, die Porta Nigra, als erstes besichtigt. Grundsätzlich sollte man das sicher tun, aber ich bin nur hindurch geschritten und habe von Außen einige Fotos gemacht. Die Innenbesichtigung des alten römischen Stadttores als auch ein Besuch im direkt daneben gelegenen Museums werde ich bei meinem nächsten Besuch angehen (und dann sicher auch einen Blogbeitrag drüber verfassen). Aber auch wenn man nicht rein geht, so ist die Porta Nigra doch der richtige Ort, um die Erkundung der Stadt zu beginnen. Nicht nur, weil sich hier die Touristeninformation befindet. Also durch das Tor und ab in die Stadt.

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Durch das Stadttor geht es – unter anderem am sehenswerten Dreikönigshaus vorbei – weiter zum Hauptmarkt, dem lebendigen Zentrum der Stadt. Man könnte fast sagen, dass alle wichtigen Straßen in der Trierer Altstatd zu diesem Platz führen bzw. von diesem weggehen. Hier finden sich für Shoppingbegeisterte viele Möglichkeiten ihre Leidenschaft auszuleben. Aber auch die Gastronomie lädt zum Verweilen ein, weil es ständig was zu Schauen gibt. Vor allem die vielen wunderschönen, meist alten Fassaden, die die Kulisses für das Leben in der Stadt bieten. Als Beispiel ein gotisches Gebäude, das Steipe genannt wird, und bis ins 18. Jahrhundert als Rathaus diente. Im Erdgeschoss befindet sich heute eine Gastronomie, die ich aus eigener Erfahrung für eine Besichtigungspause empfehlen kann.

In den oberen Geschossen befindet sich ein Museum, dessen Eingang sich um die Ecke befindet. Das Spielzeugmuseum von Trier. Klar, dass wir das mit der Familie, die auch meine zwei kleinen Neffen umfasste, besuchen mussten. Doch auch die glänzenden Augen meines Vaters zeigten, dass sich ein solches Museum an alle Alterklassen richtet. Er blieb oft stehen, weil er sich an seine Kindheit und Jugend erinnerte, in der er einige Stücke selbst besessen (oder sich zumindest gewünscht) hatte. Aber auch Spielzeug, das deutlich älter war als mein Vater, sind im Museum zu finden. Beeindruckend die Zinnfiguren mit Darstellung der Schlachten gegen Napoleon. Etwas gruslig dagegen die Soldaten-Figuren aus der Zeit des Dritten Reiches – natürlich mit dem Führer in seinem Dienstwagen. Da gefielen mir die zukunftsoptimistischen Weltraumspielzeuge weitaus besser. Vor allem natürlich die NCC-1701 Enterprise. Ich bin aber sicher, dass ich auch weitere Sachen entdecken und das Kind in mir wecken werde, wenn ich es nochmal besuchen sollte. Daher: Klare Besuchsempfehlung.

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Wer Trier besucht, ohne im Dom vorbei zu schauen, hat Trier nicht besucht. So einfach ist das. Dieser Kirchenbau – mit ganzem Namen „Hohe Domkirche St. Peter zu Trier“ – ist die älteste Bischofskirche in Deutschland und damit natürlich auch ein bedeutendes Denkmal der Baukunst. Kein Wunder, dass er zum UNESCO-Welterbe Römischer Baudenkmäler zählt. In römischer Zeit stand an ihrem Platz ein repräsentatives Wohnhaus, doch schon zu Zeiten von Kaiser Konstantin wurde in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts wurde hier, unter anderem aus Granit aus dem Odenwald, eine Basilika errichtet. Das war ganz zu Begin der Christianisierung der Germanen.

Da bei den Franken die Christianisierung wohl nicht schnell genug ging fanden diese die Zeit diese erste Basilika zu zerstören. Übrigens nicht die einzige Zerstörung, denn im Jahr 882 sind auch die Wikinger auf einem ihrer Raubzüge einmal durch Trier gekommen. Natürlich wurde die Kirche immer wieder neu aufgebaut, erweitert und neugestaltet. Unter anderem wurden im 14. und im 16. Jahrhundert die Türme erhöht. Letztere Erhöhung wurde aus Sicht des Bischofs nötig, weil die von Bürgern neu erbaute Kirche St. Gangolf in unmittelbarer Nähe höher war als der Dom. Das ging natürlich gar nicht, weshalb schnell gehandelt wurde, um klar zu machen, welches Gebäude religiös mehr zu sagen hat.

Und der Dom hat was zu sagen, denn er ist (meines Wissens nach) das einzige Gotteshaus, in dem die Tunika von Jesus hängt. Ja, richtig gehört. Das Kleidungststück, das Jesus von Nazareth getragen hat, und das von der Heiligen Helena, der Mutter von Kaiser Konstantin, von einer Pilgerreise nach Trier gebracht wurde. Also ungefähr zu der Zeit, als die erste Kirche an diesem Ort erbaut wurde. Für den Heiligen Rock wurde am Anfang des 18. Jahrhundets auch eine eigene Kapelle am Ostchor gebaut. Versehen mit einer großen Treppe für die Pilger, die ich natürlich auch bestiegen habe. Die Kapelle mit ihrer besonderen Darbietung des Heiligen Rockes ist auf jeden Fall sehenswert. Auch der Westchor mit der barocken Stuckdecke (siehe Foto) ist mehr als einen Blick wert. Ach was, der Dom mit seiner historisch gewachsenen Gestalt ist im Ganzen einen Besuch wert.

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Wenn man dann mal im Dom ist sollte man sich auch unbedingt die Schatzkammer des Trier Domes anschauen. Ich wäre fast nicht rein gegangen, wenn mich meine Mutter und meine Schwester nicht genötigt hätten – heute bin ich ihnen dafür dankbar. Stundenlang hätte ich mich dort aufhalten können, um die Kunstfertigkeit der Ausstellungsstücke zu betrachten und zu bewundern. Wie die Reliquienprozession, einer Elfenbeinschnitzerei des 5. Jahrhunderts, das Reliquiar (also die Box für eine Reliquie) für einen der vier Nägel, mit denen Jesus ans Kreuz genagelt wurde (so sagt man zumindest), verschiedene Bischofsringe, Reisealtäre, … – bis hin zu mehreren Handschriften des Mittelalters. Einfach: „Wow!“ Ergo mein Fazit: Hingehen und Staunen!

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Während der Dom die erste Bischofskirche in Deutschland war, war die direkt angrenzende Liebfrauenkirche die erste gotische Kirche in Deutschland. Im 13. Jahrhundert – also etwa zu der Zeit, als Kaiser Friedrich II. das Heilige Römische Reich Deutscher Nation regierte – wurde sie erbaut und 1951 wurde sie vom Papst zur „Basilica minor“ erhoben (ein besonderer Ehrentitel für bedeutende Kirchengebäude). Die kunstvolle Architektur, die wunderschöne Decke und die tollen Fensterbilder sind einen Besuch wert, wenn man Kirchen- und Architekturaffin ist.

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Während meine Familie ein Museum gestürmt hat, bin ich auf eigene Faust durch die Stadt gezogen. Im strömenden Regen vorbei an den Kaiserthermen, durch etliche Unterführungen mit tollen Graffitis (echte Kunstwerke, kein Gekritzel) und die Gassen der Innenstadt. Habe mich einfach treiben lassen – bis ich vor einem Kasten aus Stahl und Glas stand, der sich am Rande eines Platzes erhob. Und in und vor allem unter diesem modernen Bauwerk und em umliegenden Platz fand ich eines meiner Highlights des Besuches in Trier: Die Thermen am Viehmarkt.

Bei Baumaßnahmen stieß man 1987 an diesem Ort auf bauliche Überreste aus unterschiedlichen Epochen. Lobenswerter verzichtete man darauf die Tiefgarage zu bauen, sondern began mit Ausgrabungen. Bis zu den angrenzenden Häuserzeilen weiteten sich die Ausgrabungen aus, bevor man es mit dem Platz und dem Glaskasten überbaute, um es als Museum Besuchern zugängig zu machen. Nachdem ich das begriffen (und gegoogelt) hatte, habe ich meine Familie zusammen getrommelt und wir haben die Thermen gestürmt.

Von diesen Thermen sind unter anderem noch die Badebecken sowie die Zu- und Abflüsse erkennbar. Aber auch einige Reste des Kapuzinerklosters, das auf den römischen Ruinen erbaut wurde, sind zu sehen. Ebenso Kanalschächte aus der Neuzeit, die durch das römische Mauerwerk und die Becken getrieben wurden – wie man auf dem oberen Foto sehen kann. Besonders fasziniert haben mich aber (auch für mich selber überraschend) die im Mittelalter erstellen Latrinenschächte. Das schon damals mit so großem Aufwand eine städtiche Abwasser- und Fäkalienentsorgung erfolgte, war für mich überraschen. Einen solchen Schacht sieht man auf dem zweiten Foto.

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Von den Thermen am Viehmarkt ist es dann auch nicht mehr weit bis zur Konstantin-Basilika, der letzten Örtlichkeit meines kurzen Trier-Trips. Ursprünglich wurde sie als Thronsaal von Kaiser Konstantin in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts errichtet. Also zur gleichen Zeit wie die Basilika am heutigen Domstandort. Es ist zu vermuten, dass der Kaiser dem römischen Trier einen wahren Bauboom verordnet hat. Und er liebte es scheinbar groß. Für eine Kirche ist die Basilika nicht besonders groß – aber wenn man sich vor Augen führt, dass das eigentlich ein Thronsaal ist, dann ist der Raum schon riesig. Dass er dazu noch stützenfrei ausgeführt wurde, ringt mir Respekt für die damaligen Baumeister ab.

Heute dient das Gebäude als protestantische Kirche, durch dessen Betrieb die Basilika nicht durchgängig zu besichtigen ist. Daher nicht wundern, wenn man freundlich heraus geschickt wird, kaum dass man fünf Minuten drin war. Passiert sicherlich selten, aber natürlich ist es mir passiert. Daher werde ich es bei einem späteren Besuch nochmal versuchen das Bauwerk und den Raum auf mich wirken zu lassen. Dabei werde ich versuchen mir vorzustellen, wie er zu Zeiten der Thronsaalnutzung gewirkt haben muss. Damals, als sie noch mit reichlich weißem Marmor ausgestattet war und sogar über ein Heizsystem für Böden und Wände verfügte. Sehr moderne Zeiten damals.

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In Trier gibt es noch genug zu sehen, weshalb ich auf jeden Fall nochmal zurück kommen werde. Was für Sehenswürdigkeiten und Events würdest Du uns für den nächsten Trier-Trip empfehlen?


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One thought on “Was man sich in Trier anschauen sollte”

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