Hagen. Die Cargohose von Fjallräven, die Bergschuhe von Meindl und die Regenjacke von Mammut. Wenn man sich schon den Unbillen der Natur mit all seinen Gefahren und Unwägbarkeiten stellt, dann gefälligst in der richtigen Ausrüstung. Mit der richtigen Outdoorkleidung ist man überall gut angezogen: In der Eifel wie auf dem Ku’damm, in den Rocky Mountains wie in New York, in der Sahara wie in Dubai. So zählt man selbst bei einer Zombieapokalypse zu den Survivern.

Jedenfalls fühlt man sich so. Um uns war es geschehen, als wir eher zufällig einen großen Outdoorausstatter in Mülheim-Kärlich entdeckten. Im Gewerbepark, was ja faktisch mitten im Dschungel liegt, wo man mit vielen Kunden für solche Sachen rechnen kann. Nachdem wir es lebendig an der Blech-Stampede vorbei geschafft haben, haben wir an dem Tag und bei vielen weiteren Besuchen umgerechnet locker eine Woche Mallorca all-inclusive für zwei Personen dort gelassen.

Es fing ganz harmlos mit einer Hose an, führte über die Schuhe und Jacken sowie den unersetzlichen Buffs, Mützen und Handschuhen zu einer sündhaft teuren Regenjacke. Mit dem Equipment fühlten wir uns ausreichend bereit, um ohne Angst um Leib und Leben die unerforschten Täler und Höhen der Eifel unsicher zu machen. Die steinigen Küsten von Andalusien und die Höhen der Sierra Nevada. Die langen Strände von Texel und die reizvollen Wanderrouten auf Mallorca. Das haben wir auch gemacht. Zombies sind uns dabei übrigens nicht begegnet.

Aber andere Wanderer. Wie auf dem Traumpfad „Eltzer Burgpanorama“, der einige steile Waldwege beinhaltet. Da liefen sie. Mit dünnem T-Shirt, mit Stoffhose oder kurzer Hose. Wo wir einen Rucksack mit Essen, Trinken und Erste-Hilfe-Pack schultern, tragen diese Wanderer Umhängetaschen. Wir mit unseren Bergwanderschuhen geschützt vor jedem Ameisenknochen, der sich zufällig in unseren Weg wirft, kommen uns Wanderer mit (normalen) Sandalen und Flip-Flops entgegen.

Die Frage, die in unseren Gesichtern stand: Sind die unter- oder wir überequipt?

Zugegeben: Die Flip-Flops werden spätestens in der Steilstrecke, die den Wanderern noch bevor stand, ihre eher suboptimale Geländegängigkeit unter Beweis gestellt haben. Aber wenn ich mich recht entsinne trugen Edmund Hillary und Tenzing Norgay 1953 keine Outdoorfunktionskleidung nach unserem heutigen Standard, als sie die Erstbesteigung vom Mount Everest wagten. Auch Nansen und Amundsen, Heyerdahl und Humboldt – alles Entdecker, die es auch ohne dieses teure Outdoorequipment geschafft haben. Das gibt einen schon zu denken.

Indessen überlege ich öfter, ob es wirklich immer das Hightech-Produkt mit Markennamen sein muss und ziehe dann lieber für das eingesparte Geld in ein neues Abenteuer.

Wie siehst Du das? Braucht man diese Outdoorausstattung oder ist das übertrieben? Freue mich über Deine Meinung in den Kommentaren.

 

3 thoughts on “Unter- oder überequipt – das ist hier die Frage”

  1. Hillary & Norgay trugen damals keine Outdoorfunktionskleidung nach unserem heutigen Standart, weil es diese schlicht noch nicht gab. 🙂 Sie haben sich hald beholfen, und viele Naturvölker wissen ja auch schon seit tausenden von Jahren wie man sich warm hält – ohne Fleecejacke. Vieles an Funktionsbekleidung hat sich auch erst in den letzten Jahrzehnten entwickelt, gersde auch aus dem Bergsport und Expeditionen. Fakt ist: wenn man ganz ehrlich ist, braucht man für moderate Outdoortouren, bis auf ein gutes paar Schuhe / Stiefel, eigentlich recht wenig. Natürlich machen die moderenen Outdoor Funktionsklamotten das Leben um ein vielfaches angenehmer, keine Frage. Vieles hat auch einen hohen „haben-will-Faktor“. Ich bin selbst Jahre lang „Equipmentjäger“ gewesen. Immer die neuste Hose, die besten Stiefel, alle Arten von Regenjacken ausprobieren. Ich habe mich Jahrelang intensiv damit beschäftigt. Meine Frau lächelt immer ein bisschen über meinen Outdoorschrank. Ja richtig, ich habe einen eigenen Outdoorkleiderschrank für alle meine vielen Klamotten, ergänzt durch Wasserfilter, Zelt und diverse Schlafsäcke. Heute sehe ich das alles viel entspannter. Ich möchte auch den Komfort und die Funktionalität einer guten Regenjacke, gerade in den Bergen, nicht (mehr) missen. Letztendlich sollte sich die benötigte Ausrüstung / Bekleidung allerdings daran orientieren, was ich damit anfangen will, welche Art von Outdooraktivitäten ich ausüben möchte. Das wird sich gravierend unterscheiden, ob Hochgebirgstouren jenseits der 3000m absolviere, klettern gehe oder moderste Wandertouren unternehme. Darüber hinaus muss jeder für sich selbst entscheiden, wie und wann er sich „richtig ausgerüstet“ fühlt. Was mich allerfings eher befremdet sind dann Leute, die mit dem Hund in der Fussgängerzone spazieren gehen und meinen dafür eine dieser unsäglichen Jack Wolfskin 400€ GoreTex ProShell Jacken haben zu müssen. Das passt dann für mich nicht mehr. Aber das ist nur meine Meinung. Und hey, die Outdoorausstatterfirmen wollen ja auch leben. .-)

    1. Hallo Markus.

      Für besondere Wanderungen (wie der Besteigung des Mount Everest) würde ich heute auch auf das Beste zurück greifen, aber möglich ist es auch ohne, wie bewiesen wurde. Für die Breiten, in denen man aber normalerweise als Durchschnittsbürger wandert, ist es oft übertrieben 1.000 € für Equipment auszugeben. Ich stimme Dir zu, dass die Schuhe dabei sicher die wichtigste Ausrüstungssache darstellen, wo man nicht sparen sollte.

      Zumindest weiß man aber im Ausland durch die Wolfskin-Jacken immer, wer Deutsche sind. Das haben wir bei unseren letzten Auslandsreisen in den Städten immer wieder beobachten können. 😉

      Liebe Grüße, Hagen.

  2. Hallo zusammen,

    Ich sehe es ähnlich wie ihr beide. Markenoutdoorkram ist cool, keine Frage. Aber man sollte sich in meinen Augen fragen: brauche ich das wirklich? Ist das der Umgebung/Wetterverhältniss/Tour angemessen?
    Ich selbst habe den Anspruch, das meine Kleidung lange hält & praktisch ist. Daher nutze ich bspw meine Trekkingschuhe auch im Alltag, da wasserfest & unglaublich bequem. Ebenso die me’ru-Hosen von Globetrotter und meinen 42l Rucksack für Bergwanderungen/Wochenendurlaub & das alltägliche Unileben. Bei solchen Anschaffungen weiß ich aber auch, das sie lange halten & unheimlich praktisch sind (schnell trocknende Hosen sind genial bei Regen aufm weg zur Uni/nach Hause).
    Bei anderen Vorhaben habe ich mir auch durchaus teurere Anschaffungen geleistet (Rucksack, Zelt, Schlafsack) und greife auf Erbstücke/(Dauer-)Leihgaben wie Campingkocher & Kompass zurück, die nicht nur auf Langstreckenwanderungen im Einsatz sind.

    Was den allgemeine Jack-Wolfskin-Trend angeht: ich kann die Idee dahinter nachvollziehen genauso wie die „gewollte“ Nachricht nach außen: allzeit bereit. Egal welches Wetter kommt, man ist ja gerüstet. Ich persönlich greife da lieber zu Engelbert-Strauß, preiswert & praktisch.

    Grüße

    Martin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.