Hagen. Yee-haw! High Noon. Die Kamera im Anschlag schlendere ich durch die Straßen. Wie ein Revolverheld geht es breitbeinig am Haus des Bestatters vorbei zum Saloon. Vor diesem lungern einige Cowboys herum. An den Schwingtüren wartet eine leichtbekleidete Tänzerin. In Sichtweite die Kutsche von Wells & Fargo. Wer in Europa den Wilden Westen sucht, wird hier in Andalusien fündig.

In der Nähe von Tabernas, in der einzigen Wüste Europas, liegen drei Westernstädte, die alle ursprünglich als Filmkulisse gebaut wurden. Eine davon ist „Texas Hollywood“, auch bekannte als „Fort Bravo“. Es besteht aus einem Fort, einem Indianerlager und einer Stadt, mit einem Teil für den spanischen Westen und einem für den „klassischen“ Westen. Der Weg dorthin führt über eine staubige Piste, was gut zur Einstimmung auf die Western-Atmosphäre passt, an dem Kassenhäuschen vorbei auf einen Parkplatz.

Mit einem Preis von 19.40 € für Erwachsene und 15,40 € für Kinder ist die Westernstadt kein billiges Vergnügen und besonders außerhalb der Saison muss man schon (Western-)Filme lieben oder auf skurille Orte stehen, damit sich das rentiert. Denn viele Attraktionen, wie das Photo-Studio und der Swimming-Pool sind natürlich im Februar nicht offen. Auch die Vorführungen erfolgen nur mit einer kleinen Besetzung. Die drei Cowboys und die zwei Tänzerinnen im Saloon waren bei unserem Besuch für die Show zuständig, auf die wir als einzige Besucher jedoch nicht bestanden haben.

So sehr uns die Darsteller auch auf Vorführungen hinwiesen, so schienen zumindest die Tänzerinnen, die zwischen den Vorstellungen im Saloon bedienten, nicht sonderlich motiviert zu sein. Bei den doch eher begrenzten Besuchermassen hätte ich erwartet, dass das dreckige Geschirr von den Tischen abgeräumt worden wäre. Auch der viele Müll, der offen in den Ecken und in Gräben der Landschaft rum lag, wirkt auf uns als Ordnung gewohnte Deutsche doch recht befremdlich. Man fährt auf den Parkplatz und kann mehrere alte Autos beim Verrotten betrachten. Dann blickt man vom Parkplatz hinüber zu dem Indianerdorf (ohne Indianer, aber mit Wigwams), über eine karge, aber interessante zerklüftete Landschaft – und an den Hängen zwischen Standort und Tipis liegen Tüten, leere Tonnen und Kabel. Dieser Ort hat so viel Potential, doch wir konnten uns des Gefühls nicht erwehren, dass man kein konsequentes Konzept verfolgt und sich des Schatzes, den man hier hat, nicht wirklich bewusst ist.

Aber wenn man sich auf die Westernstadt einlässt, dann kann man hier trotzdem einige schöne Stunden verbringen. Wenn man Filmfan ist hilft das zusätzlich – vor allem, wenn man Westernfilme mag. Denn ursprünglich wurde „Fort Bravo“ Anfang der 1950er als Filmkulisse gebaut und dafür – unter anderem durch Sergio Leone – ständig erweitert. Auch aktuell wird der Ort noch als Filmkulisse genutzt, wie zum Beispiel 2012 für eine Folge von „Dr. Who“ („A Town Called Mercy„). Aber auch viele Kinoklassiker und bekannte Filme sind hier enstanden, wie „Lawrence von Arabien“ (1962), „Eine Handvoll Dollar“ (1964), „Zwei glorreiche Halunken“ (1966), „Die glorreichen Sieben“ (1966), „Viva Django“ (1968), „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968), „4 für ein Ave Maria“ (1968), „Die rechte und linke Hand des Teufels“ (1970), „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (1989), „Der junge Indiana Jones“ (1995), „Der Schuh des Manitou“ (2001) und „Traumschiff Surprise“ (2004).

Auf jeden Fall hatte ich mit der Wahl meines T-Shirts – Terence Hill als rechte Hand des Teufels (Foto) – die richtige und passende Wahl getroffen 😉

Die umliegende Landschaft sieht aus wie Arizona – oder wie man sich Arizona und den Wilden Westen vorstellt. Denn auch meine Vorstellung davon ist stark von den Westernfilmen geprägt worden, die hier in Andalusien gedreht wurden. Daher, so meine Vermutung, wurden hier auch viele Filme außerhalb der Westernstadt gedreht. Aber auch, wenn die Filme nicht in Amerika spielten. Wer erinnert sich nicht an die Szene in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“, in dem Dr. Brody zu Henry Jones sen. in den Panzer steigt, während Henry Jones jr. die Kolonne angreift? Auch diese wurde in der Nähe von Fort Bravo gedreht. Für uns ein Grund wanderend die interessante Gegend zu erkunden.

Wir haben hier auf jeden Fall interessante und kurzweilige Stunden verbracht. Zuweilen auch etwas skuril und absonderlich, wie das Pferd, das direkt nach unserer Ankunft Verena leicht in die Wange gebissen hat (wobei das ja auch irgendwie typisch Verena ist). Daher von uns Daumen hoch für dieses Ausflugsziel.

2016-02_er_fort-bravo_01

2016-02_er_fort-bravo_06

2016-02_er_fort-bravo_14

2016-02_er_fort-bravo_08

2016-02_er_fort-bravo_11

2016-02_er_fort-bravo_09

2016-02_er_fort-bravo_12

2016-02_er_fort-bravo_10

2016-02_er_fort-bravo_02

2016-02_er_fort-bravo_04

2016-02_er_fort-bravo_03

2016-02_er_fort-bravo_07

2016-02_er_fort-bravo_05

Weiterführende Links:

4 thoughts on “Fort Bravo – Der wilde Westen in Andalusien”

    1. Vielen Dank, mein Freund. Und das ist erst der Anfang – ich muss nur mal die Zeit und Muße finden mich abschließend an die Fotos zu setzen 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.