Die Sierra Nevada ist das höchste Gebirge auf der iberischen Halbinsel und erstreckt sich in West-Ost-Richtung durch die Region Andalusien. Die Berge sind über 3.000 m hoch und waren bei unserem Besuch im Februar 2016 schneebedeckt. Um die Jahreszeit empfiehlt es sich nicht, die Berge auf Schusters Rappen zu erkunden, weswegen wir die angeblich reizvollen Wanderrouten nicht gesehen haben. Daher sind wir mit dem Auto durch das Gebirge – jedoch nicht immer ganz freiwillig.

Da unser Hotel an der Küste, inmitten des Mar del plástico lag, mussten wir, um die schönen Ziele im Landesinneren zu erreichen, entweder um oder über das Gebirge fahren. Durch die vielen Autobahnen, die in den letzten Jahren gebaut wurden, an sich kein Problem und in einer vernünftigen Zeit auch machbar. Jedoch hatte das Navi unseres Mietwagens entweder noch nichts von den neuen Autobahnen gehört oder es mochte diese neuen Straßen einfach nicht. Zumindest hat es uns lieber über alte Gebirgspässe geführt.

Wir hatten natürlich keine Karte und haben uns voll auf das Navi verlassen. Immer wieder. Man muss dem Navi zugute halten, dass es uns über wirklich schöne Straßen mit toller Aussicht geschickt hat. Wir haben auch eine gute Vorstellung von der Höhe des Gebirges erhalten, denn jedes Mal, wenn wir gedacht hatten, dass es hinter der nächsten Kurve ja mal hinunter gehen muss, folgte wieder ein steiler Anstieg. Die Straßen wurden immer schmaler, die Kurven immer enger und es wurde – da uns das Navi meist auf der Rückfahrt durch das Gebirge geschickt hat – dann auch irgendwann dunkel.

Diese unbekannten Straßen im Dunkeln zu fahren, war nicht lustig. Zum einen wurde es immer später und ich hatte Angst, ob wir noch innerhalb der Abendessenzeit im Hotel sein werden. Eine Angst, die ja immer weiter genährt wurde, wenn hinter der nächsten Kurve sich die Straße schon wieder weiter empor schlängelte. Verena auf dem Beifahrersitz direkt neben dem Abgrund war auch nicht unbedingt tiefenentspannt. Die Leitplanken, wenn überhaupt vorhanden, waren nicht zwingend vertrauenserweckend. Wobei wir uns bis heute fragen, warum die eigentlich im Kurvenbereich immer aufhören – also genau da, wo die Wahrscheinlichkeit gerade aus zu fahren und in den Abgrund zu stürzen am höchsten ist.

Aber natürlich gab es auch besondere, schöne Momente. So haben wir auf einer dieser Routen wilde Steinböcke gesehen. Es wäre etwas schöner gewesen, wenn sie nicht direkt hinter einer Kurve mitten auf der Straße gestanden hätten. Sie waren aber genauso erschrocken wie wir und haben sich mit einem Sprung über die Leitplanken direkt in den Abgrund gestürzt. Zu unserer Verwunderung standen sie dann dort auf den steil abfallenden Felsen, wo wir sicher noch im freien Fall gewesen wären. Beeindruckend.

Auch die Entdeckung des – auf Grund der langen Fahrtzeit erforderlichen – schönsten Pinkelpausenplatzes der Welt ist unserem Navi zu verdanken. Einen so schönen Ausblick wie von diesem Ort hat man nur selten. Auch hier hatten wir gedacht, dass wir ja faktisch schon auf dem Gipfel sind und es bald abwärts geht. Aber weit gefehlt, denn nach diesem Ort ging es noch verdammt lang immer weiter aufwärts. Natürlich nicht, bevor ich noch ein paar Fotos gemacht hatte:

Wenngleich wir das Navi mehrfach dafür verflucht haben (und unsere Naivität immer wieder auf das Navi zu hören), kommen wir nicht umhin ihm auch dankbar zu sein, für diese Touren. In der Zeit, in der es noch nicht dunkel war, haben wir wirklich viele schöne Orte gefunden und Aussichten genossen. Die kleinen Ortschaften im Gebirge und die beeindruckende Landschaft, die hinter jeder Kurve (von denen es ja verdammt viele gibt) etwas Neues parat hält. Wir haben sogar darüber nachgedacht uns bei unserem nächsten Besuch in Andalusien irgendwo in einem kleinen Dorf in der Sierra Nevada einzunisten. Auch, wenn wir dann wahrscheinlich öfter im Dunkeln diese Straßen fahren müssten – jedoch mit dem Vorteil, dann auch zentraler zu den Ausflugszielen zu liegen.

Dann aber auch zu einer anderen Jahreszeit, so dass wir die Pässe noch weiter hinauf fahren und das Gebirge auch auf Schusters Rappen erkunden können. Auf einer unserer Touren sind wir (natürlich nicht im Dunkeln) auch mal ganz bewusst im Herzen der Sierra Nevada immer weiter hinauf gefahren. Eine enge Straße entlang, an vereinzelten Gebäuden – sowohl bewohnten als auch verlassenen – vorbei, dennoch in relativer Einsamkeit. Wir haben es jedoch nicht bis zum höchsten Punkt geschafft, weil die Straße plötzlich noch enger wurde und wir uns der Straßenverhältnisse bei dem Wetter nicht mehr sicher waren. Dafür haben wir aber ein abseits gelegenes Ausflugsziel gefunden, das in den warmen Monaten mit seinen gemauerten Grillplätzen sicher gut besucht ist.

Die Sierra Nevada hält so oder so viele Überraschungen bereit. Beim nächsten Mal haben wir aber hoffentlich ein bessers Navi, auf jeden Fall jedoch auch eigene Straßenkarten dabei. 😉

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