Geschichte und historische Seefahrt sind genau mein Ding und das Marinemuseum im Lissaboner Stadtteil Belém ist nicht nur an Regentagen oder als kühler Platz bei der Sommerhitze einen Besuch wert. Während sich meist schon früh eine lange Schlange vor dem Mosteiro dos Jerónimos (Hieronymitenkloster) bildet, ist im benachbarten Gebäudeflügel, das das Marinemuseum beheimatet, weniger los. Ein wichtiges Museum, wenn man Portugals Geschichte verstehen will, die immer eng mit der Seefahrt verbunden war. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass der Länge der Landgrenze zu Spanien von 1.214 km eine Küstenlänge von 1.793 km gegenüber steht.

Einen Aufschwung erhielt die portugiesische Seefahrt, nachdem der Königssohn Heinrich der Seefahrer Anfang des 15. Jahrhunderts eine Seefahrerschule gründete, um den Seeweg nach Indien zu finden. Erst entdeckten seine Schiffe Madeira und dann die Azoren, bevor sie so weit an der afrikanischen Westküste hinunter segelten, wie kein Europäer zuvor. Auf Grundlage dieser Forschungen und Erfahrungen wurden auch zwei Männer über die Grenzen Portugals berühmt: Vasco da Gama, der 1498 den Seeweg am Kap Horn vorbei nach Indien entdeckte, und Ferdinand Magellan, der sich 1519 von Portugal aus zur ersten Weltumseglung einschiffte.

Nach dem Vertrag von Tordesillas von 1494, in dem die Welt zwischen Spanien und Portugal aufgeteilt wurde, war Portugal auf Grund seiner Seefahrer zeitweise das reichste Land Europas. Von dieser Zeit der Entdeckungen bis zur Gegenwart finden sich in dem Museum viele Ausstellungsstücke, wie Schiffsmodelle, Uniformen, Waffen, Navigationsinstrumente, historische Gemälde, Karten und viel mehr. Eine sehenswerte Sammlung von etwa 2.500 Gegenständen, die seit der Gründung des Museums im Jahr 1863 durch den damaligen König Luís I. (der als Prinz selber auch Schiffe kommandiert hatte) zusammengetragen wurden.

Dabei besteht das Museum gefühlt aus zwei Teilen, denn an die Ausstellungsräume mit den oben genannten Gegenständen in den alten Klostersälen schließt sich eine moderne Halle an, in dem mehrere originale Boote und kleinere Schiffe ausgestellt sind. Vor allem beeindruckt die große zeremonielle Bark aus dem 18. Jahrhundert in der Mitte der Halle, die schon einige gekrönte Staatsoberhäupter über den Tejo transportiert hat. Ursprünglich für Königin Maria I. erbaut, nahm unter anderem Kaiser Wilhelm II. auf ihr Platz. Ihre letzte Reise hatte die Bark 1957 anläßlich des Besuches von Queen Elizabeth II.

Den Abschluß des Rundgangs, der etwa ein bis zwei Stunden dauert, bilden einige Wasserflugzeuge, unter ihnen die „Santa Cruz“. Dies ist das erste Flugzeug, dass den Südatlantik von Lissabon nach Rio de Janeiro überquerte. Das war 1922 und wenn man sich dieses kleine Flugzeug anschaut und den großen Atlantik vorstellt bekommt man eine Vorstellung von dem Wagemut und Entdeckergeist der Portugiesen.

Das Museum findest Du bei Tripadvisor hier.

 

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