Hagen. Bevor wir diesen Sommer für fünf Tage nach Schottland fliegen, um die die schottische Hauptstadt zu erkunden, möchte ich doch unsere Reise vom letzten Sommer auf und in das Blog gebracht haben. Auch, um damit noch mal in den schönen Erinnerungen an eines meiner liebsten Reiseziele zu schwelgen. Auch wenn wir nach der Reise feststellen mussten, dass fünf Tage selber für einen Besuch der Scottish Borders mit all seinen Sehenswürdigkeiten und landschaftlichen Reizen nicht ausreichend bemessen sind. Daher versteht die Berichte über unsere Reise mit den Empfehlungen für Ausflüge als Anreiz, für die Ihr aber genug Zeit einplanen solltet, um sie ausreichend und angemessen zu würdigen. 😉

Vom ersten Tag an hat mich auch dieses Mal Schottland mit seinem Zauber gefangen. Hier, wo scheinbar auf jedem Hügel, in jedem Tal und hinter jedem Stein der Hauch der Geschichte weht. In das weite und raue Land eingebettet etliche Burgen und Abteien, die von einer langen und wechselvollen Geschichte künden. Einer Geschichte, die besonders in den Scottish Borders an der Grenze zu England oftmals eine blutige Geschichte war. Eine Region Europas, die mehr zu bieten hat, als man in den wenigen Tagen, die wir hatten, entdecken kann. Doch meine Frau und ich haben die Tage genutzt und sind randvoll mit neuen, überwältigenden Eindrücken nach Hause gekommen – und mit vielen Fotos natürlich.

Wenn ich sie mir jetzt betrachte umkommt mich schon jetzt wieder Wehmut und ein Stück Heimweh nach einem Land, das mich diesen Sommer zum dritten Mal mehr berührt und begeistert hat, als jede andere Gegend und jedes andere Land, das ich bisher besucht habe. Es sind die Kulturdenkmäler in den sanften Hügeln der weiten Landschaft, in der hinter fast jeder Wegbiegung historisch bedeutsame Ort liegen, die meine Sehnsucht treibt. Ebenso wie die Menschen, die dort leben und deren Freundlichkeit und Offenheit mich mehr als einmal erstaunt hat. Viele Erfahrungen und Erlebnisse, die nach einer weiteren Reise nach Schottland rufen.

Auf unserer ersten Fahrt führte uns der Weg über ein Mittagessen mit Haggis im „Laird & Dog Inn“ in Lasswade (wo irgendwann mal Sir Walter Scott gewohnt hat) in das Dorf Roslin, in dem sich die Rosslyn-Chapel befindet. Unter anderem aus dem Roman und Film „Illuminati“ von Dan Brown und mit Tom Hanks bekannt ist sie ein Beispiel der schottischen Steinmetzkunst und Kultur des Mittelalters. An das Fotografieverbot in der Kapelle aus dem 15. Jahrhundert habe ich mich gehalten, auch wenn die Verzierungen und Werke im Innenraum überwältigend sind.

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Viele dieser Steinarbeiten bergen noch heute Geheimnisse, um die sich Legenden ranken und ihrer Entschlüsselung harren. Theorien, die sich auch auf den 1312 gewaltsam aufgelösten Templerorden ausdehnten, deren Schatz man in der alten Krypta vermutete. Doch selbst ohne den Schatz gibt es genug zu entdecken, wie auch die vermutete Darstellung von Mais in einer Fensterlaibung. Mais, dessen Existenz durch eine legendäre Schiffsfahrt von Henry, dem Earl von Orkney aus dem Clan der Sinclairs (den Erbauern der Kapelle) im Jahre 1398 nach Amerika schon damals in Schottland bekannt gewesen sein könnte. Oder zumindest beim Clan Sinclair und seinen Steinmetzen. Rosslyn-Chapel ist ein Paradies für Kulturbegeisterte, Forscher und Entdecker.

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In Galashiels kamen wir für die nächsten Tage im „Morven Guest House“ unter, das den britischen Charme vergangener Zeiten hat. Ständig habe ich darauf gewartet, dass Miss Marple um die Ecke kommt, denn zum Interieur hätte es gepasst. Da wir auf diesen Charme stehen haben wir uns dort wohlgefühlt und das ältere Ehepaar, welche das Haus führt, hat Ihres dazu beigetragen. Auch mit dem tollen Frühstück: Quark mit frischen Erd-, Heidel-, Brom- und Himbeeren und dem für die Insel obligatorischen Frühstück aus Toast, Rührei, Speck, Pilzen und Sausages.

Galashiels ist ein relativ großer, aber ruhiger Ort in den Lowlands. Ruhig vor allem nach Ladenschluss – dort spätestens um 19 Uhr der Fall -, was die Versorgung nach unseren Ausflügen nicht einfach gemacht hat. Auch der Umstand, dass man selbst in den Pubs nach 19 Uhr kein Essen mehr bekommen hat. Wir fragen uns noch immer, wann die Schotten Feierabend machen bzw. ihre Einkäufe erledigen oder Essen gehen. Überrascht hat uns auch, wie viele Geschäfte leer standen und Häuser zum Verkauf stehen. Nicht nur in Galashiels, sondern auch in den gesamten Borders. Wenn wir mal das Geld und die Lust hätten ins südliche Schottland zu ziehen wäre es zumindest derzeit nicht sonderlich schwer dort ein Haus zu finden.

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Bei meinem ersten abendlichen Spaziergang durch den Ort bin ich am zentralen Platz hängen geblieben, der von einem umbauten Wasserlauf und dem Denkmal für die Toten des ersten Weltkriegs aus den 1920ern dominiert wird. Besonders begeistert hat mich die aus dieser Zeit stammende Statue eines „Border Reivers“. Ein Begriff, mit dem ich zuerst wenig anfangen konnte, doch handelt es sich bei diesen um Briganten von Clans, die vom späten 13. Jahrhundert bis Anfang des 17. Jahrhunderts in der schottisch-englischen Grenzregion Überfälle auf benachbarte Gebiete durchführten.

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Wie die Person Sir Walter Scott sollten die Border Reivers uns auch die nächsten Tage begleiten. Beide ungeplant und immer wieder überraschend tauchten sie an den historischen Orten des schottischen Grenzlandes auf und gestalteten damit unseren Urlaub mit. Doch davon bald mehr.

– Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal auf meinem Blog eifelrabe.de

One thought on “Von Edinburgh über Rosslyn nach Galashiels”

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