Im Jahr 2015 war es dann soweit: es sollte für Hagen und mich nach Schottland gehen. Zuerst wollten wir die Lowlands erkunden und dann noch das Wochenende in Edinburgh verbringen. Mein Mann hatte mir bereits zwei Reisen in diese Stadt voraus (1993 und 1997) und kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Ich hingegen war skeptisch, denn ich verbinde gedanklich mit Urlaub immer Sonne und Wärme und Schottland ist ja nicht wirklich für sein Sonnenbrandpotential bekannt.

Wir kauften online Karten für das Military Tattoo, das größten Militärmusikfestival des Landes, das zum Zeitpunkt unserer Reise ganz zufällig stattfand *hüstel*. Eine Veranstaltung, die ich seit Jahren immer mit begeistert im Fernsehen verfolgt hatte und die wir nun live sehen wollten. Immer unter der Prämisse: „Einmal im Leben sollte man das mal gemacht haben.“

Der Flug über den Ärmelkanal erwies sich als größtenteils unproblematisch, doch gegen Ende, als der Flieger über den nördlich der Stadt gelegenen Meeresarm Firth of Forth flog und eine Kehrwendung Richtung Flughafe machte, machte ich aufgrund der Thermik über dem Wasser zum ersten Mal in meinem Leben Bekanntschaft mit Luftlöchern. Unnötig zu erwähnen, dass es wirklich schönere Dinge gibt. Da aber das Baby in der Reihe vor uns so einen Spaß an der Achterbahnfahrt in der Luft hatte und lauthals juchzte, flaute auch meine Panik schnell wieder ab.

Wir verbrachten eine Woche in den Lowlands (ausführliche Berichte hier), fuhren dann mit dem Auto zum Flughafen zurück und machten uns dann auf zum zweiten Teil unserer Reise: die Erkundung der Hauptstadt.

Mit der Straßenbahn konnten wir direkt bis in die Innenstadt fahren und uns dabei über einen Service freuen, den es in Deutschland nicht gibt: freies WLAN während der Fahrt. Yay!

Unser Hotel (Holiday Inn Express) lag am Picardy Place, direkt im Herzen der Stadt. Vor dem Haus begrüßte uns eine Statue meines Kindheitshelden Sherlock Holmes, dessen Schöpfer Sir Arthur Conan Doyle just an jenem Picardy Place im Jahre 1859 geboren wurde.

Als wir uns eingerichtet hatten, ging es hinauf auf Calton Hill, um Hagen einige lohnenswerte Kameramotive zu bescheren. Ich hatte mich auf die Reise nicht wirklich vorbereitet (ich schätze ich war da schon auf dem Weg in die Depression und mir war alles zuviel) und so überraschte mich der einladend grüne Hügel über der Stadt umso mehr. Nicht nur die hohe Anzahl an unterschiedlichen Denkmälern (dort sind unter Anderem das Nationalmonument und das Robert Burns Monument zu sehen) ist bemerkenswert, sondern vor allem der atemberaubende Ausblick auf die gesamte Stadt. Im Norden und Osten das Meer (wobei es mir schien, als würden aus dem Norden die Highlands nach mir rufen), im Süden die schroffen Hänge des Hausbergs Arthur’s Seat und der felsigen Salisbury Crags und im Westen dann der grandiose Blick auf das Edinburgh Castle.

Und apropos Castle: nach einer kurzen Sandwichpause ging es Abends direkt zum Military Tattoo, das in einer riesigen Arena direkt vor dem Castle stattfindet, die jedes Jahr aufs Neues auf- und wieder abgebaut wird (die Tribüne, nicht das Castle!). Im Inneren der Arena haben tausende Menschen Platz und meine Güte – das war eine Stimmung, als langsam die Sonne am Himmel versank! Der Ansager verstand sich bestens darauf, das internationale Publikum bis zum Beginn der Show mit Geburtstagswünschen, Anekdoten und Wer-Kommt-Woher-Spielen zu unterhalten.

Die Show war wirklich grandios. Militärmusikgruppen aus der ganzen Welt präsentierten ihr Programm aus Musik, Tanz, Akrobatik und Drill, mit schmissiger bis pathetischer Musik, beliebten Evergreens und einer atemberaubenden Lightshow, die auf die rauen Mauern des Castles projiziert wird. Bereits nach 20 Minuten fassten Hagen und ich uns an der Hand und sahen uns an: von wegen „Einmal im Leben!“. Uns war klar: wir kommen wieder! Als dann der Lone Piper auf den Zinnen des Castles erschien, um auf dem Dudelsack zu spielen, hatte ich Tränen der Ergriffenheit in den Augen.

Volltrunken vor Freude ging es an diesem Abend ins Hotel zurück und am nächsten Morgen direkt wieder zurück zum Castle, das wir im Tageslicht dann auch einmal von innen bewundern wollten. Es war eine gute Entscheidung, uns so früh wie möglich auf den Weg zu machen, denn die schottischen Kronjuwelen und die vielen kleinen Ausstellungen lockten Unmengen von Besuchern an. Als die 1-Uhr-Kanone abgefeuert wurde, befanden wir uns zufälligerweise in einem kleinen Erker mit Aussicht auf die Szenerie – hätten wir direkt daneben gestanden, hätten wir wohl über 5 Reihen Menschen hinweg kucken müssen. Aber Hagen und ich sind ja Glückkinder!

Auf der Suche nach einem geeigneten Platz zum Mittagessen ging es für uns dann die Royal Mile hinunter. Dieser Verbund von historischen Straßen und Gassen bildet den Kern der Edinburgher Altstadt und schwankt gefährlich zwischen Kunst und Kitsch. Hier kann man alles kaufen, was man gedanklich mit Schottland verbinden mag – vom Belted Plaid bis hin zum ‚garantiert keltischen‘ Silberschmuck. Doch wer hier Kultur sucht, kann sie zum Glück auch finden und sich an Sehenswürdigkeiten wie St. Giles Cathedral oder die zahlreichen alten Gebäude sattsehen. Nach einer schottischen Meile endet die Royal Mile dann bei zwei äußerst prestigeträchtigen Gebäuden: dem schottischen Nationalparlament und Holyrood Palace, dem Sitz der britischen Königin, so sie denn in Edinburgh zu Besuch ist.

Was das Mittagessen angeht: dafür haben wir einen sehr netten Platz gefunden, dem ich demnächst auch einen kleinen Artikel widmen werde. Also bleibt mir gewogen und erfahrt, wieso es uns schließlich ans Ende der Welt verschlug!

Am nächsten Tag war unser Schottlandurlaub dann leider auch schon wieder vorbei und ich flog mit einem seltsamen Gefühl nach Hause, das ich erst später richtig einordnen konnte: es war Liebe. 🙂 Zu den wunderbaren Lowlands, der kuschelig kleinen, aber so geschichtsträchtigen Hauptstadt und den unglaublich skurrilen und netten Menschen, die wir auf unserer Reise getroffen haben.

Mir war klar, dass ich schnellstmöglich wiederkommen wollte und das haben wir 2016 dann ja auch geschafft. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

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