Seit über 10 Jahren arbeite ich in einem der höchsten Bürogebäude Nordrhein-Westfalens. Arbeitstag für Arbeitstag schaue ich aus meinem Fenster im 36. Stock hinunter auf die Rheinauen, Bonns grüne Oase. Bäume aller Art säumen die langen Wege und die saftigen Wiesen, Blumen blühen in dutzenden Farben, Grillstellen, Spielplätze und Kunstwerke ziehen Interessenten aus aller Welt und auch eine Menge Sportler an und der japanische Garten mit seinem kleinen Wasserfall lädt zum Verweilen ein. Kurzum: einfach ein schöner Ort.

Bis vor einem Jahr habe ich jede meiner Mittagspause im Büro verbracht. Maximal ging es in die Kantine, wenn überhaupt. Mein Büro ist immerhin hell, klimatisiert, groß und bietet die bereits erwähnte gute Sicht auf Rhein und Siebengebirge. Wieso also rausgehen?

Es musste erst die Depression kommen, um etwas an diesem Trott zu verändern. Sie hat mich sehr nachdrücklich mit der Nase darauf gestoßen, dass es Zeit wird, mir die Pausen, die mir zustehen, auch zu gönnen. Dass inmitten des Jobs, den die meisten von uns nicht an jedem Tag gerne machen, immer noch Raum für ein wenig Muße ist. Dass die Seele hin und wieder kleine Urlaube und Abenteuer braucht, um nicht vor dem Berufsalltag zu kapitulieren.

Das Geheimnis ist, dass man nicht warten muss, bis der Chef das nächste Mal den Urlaubszettel unterschrieben hat. Es braucht keine langen Reisen an exotische Plätze der Welt, um ein kleines Abenteuer bewußt zu erleben. Es reicht, in der Mittagspause eine Runde um den Block zu gehen. Nicht jedes Büro und jeder Betrieb hat einen gewaltigen Garten vor der Tür, das gebe ich zu. Aber man findet den Urlaub, wenn man sich darauf einlässt. Im Lächeln einer Person, der man begegnet. Im guten Geruch aus einem nahen Restaurant. In einem Singvogel in dem einzigen Baum im grauen Hof.

Geht mal raus!

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