Für Ostern hatte ich eine Reise nach Texel geplant, doch am Wochende vor Ostern kroch die Erkältung heran. Zwei Tage hoffte ich noch, dass es besser würde, doch als sich Fieber einstellte und die Stornofrist für das Hotel in De Koog näherrückte, wußte ich, dass wieder einmal mein Kopf eine Entscheidung treffen muss, die meinem Herzen nicht ganz so gut gefällt.

Ein wenig frustriert war ich schon – ich wollte doch raus! Mal wieder etwas alleine machen. Meine Fähigkeiten, mit Menschen und Situationen spontan umzugehen, auf den Prüfstand stellen. Mal nur auf meine Bedürfnisse eingehen und keine Kompromisse machen. Doch bekanntlicherweise heißt es ja im kölschen Grundgesetz „Et kütt wie et kütt“ und so arrangierte ich mich mit der Situation, ohne mir die Chance zu geben, länger darüber nachzudenken. Blieb eine Woche brav im Bett, schaute Serien, schlief viel und versuchte dann, so schnell wie möglich wieder auf die Beine zu kommen, wie ich das seit Jahren tue.

Als ich Ostersonntag bei einem anstrengenden Familienfest jedoch fast psychisch zusammenbrach, ging mir ein Licht auf: meine Depression ist keine Strafe. Sie ist eine Warnung für mich, ein Vorbote. Sie erzählt mir, wann ich zu vielen Reizen und Belastungen ausgesetzt bin. Sie sorgt dafür, dass ich ständig erkältet bin und tadelt mich, weil ich das jahrelang ignoriert und nicht auf die Signale meines Körpers gehört habe, die mir zu einer dringenden Auszeit rieten.

Ostern kam und ging also. Und am Donnerstag Abend beschloss ich, dass es an der Zeit ist, genau das zu tun, was ich mir vorgenommen hatte: ich wollte auf mein Bauchgefühl hören. Und das sagte mir, dass ich ans Meer will. Ganz dringend. Ohne Kompromisse. Ob nun mit oder ohne meinen Mann.

Der war natürlich erstmal überrumpelt. Durch seinen Burnout kann er verständlichermaßen mit schnellen Planänderungen und dem damit einher gehenden Druck nicht gut umgehen. Doch zum Glück legte sich diese Überforderung über Nacht und als ich Freitag Morgen das Badezimmer betrat, stand fest, dass wir ans Meer fahren. Zusammen.

Ob ich es bedauere, nicht alleine gefahren zu sein? Ein wenig. Doch es überwiegt das wunderbare Wissen, dass ich mit meinem Mann jemanden geheiratet habe, der mir in allem, was ich tue – und sei es, dass wir zu zweit einen Strand entlang gehen, die Muscheln knirschen und die Wellen rauschen hören – genug Freiheit lässt, dass ich alleine ein Stück vorlaufen oder zurückbleiben kann, um dann erfrischt und mit neuen Eindrücken beladen zurückkommen und mich wohlfühlen zu können. Danke, mein Schatz.

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